Gleichnishaft gesprochen

„Morgen, Morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen  Leute“,  so  sagt  der  Volksmund.  Die  faulen  Leute finden immer eine Ausrede, warum es jetzt gerade  nicht  geht.  Und  die anderen  spüren,  wie  sich  im  wahrsten  Sinne  des  Wortes  heraus- geredet  wird  aus  der  Verantwortung,  die  jemand  hat.
Diese  Erfahrung  macht  Jesus  wohl  auch  in  seinem  öffentlichen  Auftreten,  Menschen,  die  ihm  sagen:  Alles  richtig,  was  du  sagst!  Die  sich  ihm  aber dennoch nicht anschließen. So wie es in einem  anderen  Gleichnis  heißt:  Erst  noch  einen  Acker  kaufen,  einen  Toten  beerdigen,  ein  wichtiges  Geschäft  erledigen.  Ausreden  -  um  dem  Anspruch auszuweichen, den man erlebt.In diesem Sinne sind für mich die törichten Jungfrauen  zu sehen,  die  sich  nicht  richtig  auf  die  Situation,  auf  Jesus  einlassen.  Nicht  mit ganzem  Herzen und ganzem Verstand sind sie dabei; haben nicht bedacht, wie es immer wieder passiert, dass der Bräutigam nicht pünktlich kommt.
„Komm ich heut‘ nicht, komm ich morgen“, so ihre Haltung. Alles nicht so schlimm; es wird schon irgendwie   werden.   Gegen   diese   Haltung   der   Unentschiedenheit  stellt  Jesus das  Bild  von  der  verschlossenen  Tür.  Irgendwann  ist  es  zu  spät!  
Es  gibt  Momente  der  Entscheidung,  die  unwiderruflich sind.  
Mit  dem  Heiligen  Martin  feiern  wir  einen  solchen  Menschen  in  diesen  Tagen.  In  diesem  konkreten  Bettler  ließ  er  sich  ansprechen.  Mit  diesem  konkreten  Menschen teilte er  seinen  Mantel.  Sicher  hätte  er  sagen  können:  Es  gibt  so  viel  Not  in  der  Welt, was hilft es der Welt, wenn ich einem helfe. Aber er hat diesem Menschen geholfen und damit etwas gegen die Not in der Welt getan.
Aus  unseren  Ausreden  uns  herauszulocken  und  das Leben zu wagen, der Lockung des Lebens zu trauen – damit es nicht zu spät wird.
F. B. Lanvermeyer
Pfarrer